Die Schweizer Podcast-Szene wächst

Podcasts erleben einen weltweiten Boom. Immer mehr Unternehmen, aber auch freischaffende Produzentinnen und Produzenten kreieren packende Audio-Serien.

Nun organisiert sich die Szene in der Schweiz. Podcast-Produzent Nico Leuenberger hat mit Katarina Hagstedt gesprochen, der Co-Gründerin des Podcast Club Switzerland:

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Nico: Wie ist der aktuelle Stand von Podcasts in der Schweiz? Ist das nicht nur eine Nische?

Katarina: Podcasting in der Schweiz ist zwar noch in einer frühen Phase verglichen mit den Nachbarländern. Trotzdem würde ich nicht von «klein» sprechen. Wir haben im Podcast Club Switzerland Beispiele gesehen, wo Podcasts von grossen Medientiteln lanciert wurden, und die Hörerzahlen waren sehr vielversprechend! Für mich ist das ein Zeichen, dass das Schweizer Publikum bereit ist, Podcasts zu hören. Wir müssen nur mehr davon produzieren, um das Potenzial auszuschöpfen. Die Hörgewohnheit ist bereits da!

Wie schwer ist es denn, einen Podcast zu starten?

So einfach oder schwer, wie du willst! Das hängt sehr stark von den Ambitionen der Macherinnen und Macher ab.

Ich glaube, dass wir starke, interessante Inhalte kreieren sollten und dabei immer unser Publikum im Kopf haben müssen: Wieso sollte sich jemand interessieren und wieso sollten sie zuhören? Das ist der schwierigste Teil. Um das zu meistern, braucht es Kreativität und eine gewisse Vertrautheit mit Audio als Medium.

Sobald du ein klares und interessantes Konzept für ein klar definiertes Publikum hast, kannst du sehr schnell eine Show starten. Die schnellsten Mitglieder des Podcast Club sind wohl «Bier ab Vier». Sie produzieren eine wöchentliche Interview-Sendung mit weniger als 5 Stunden Aufwand pro Episode. Mit ihrem Podcast haben sie ein engagiertes Publikum erreicht und eine Community rund um ihren Podcast geschaffen – das ist cool!

Meine eigenen Kreationen sind eher auf der komplexen Seite des Spektrums, weil ich erzählerisches Storytelling betreibe. Ich wende bis zu drei Wochen auf für eine Episode. 

Wie passt ein Podcast in den Marketing-Mix einer Organisation?

Podcasts sind ein «langsames» Medium auf Abruf. Es schafft eine Vertrautheit zu den Hörerinnen und Hörern, weil diese sehr nah am Gesagten dran sind. Es bietet ausserdem grossartige Möglichkeiten, dort in den Alltag des Publikums zu kommen, wo Video und Text nicht hinpassen: Wir wissen, dass viele Podcasts hören, während sie Auto fahren, joggen oder kochen. Es ist auch ein grossartiges Gegenmittel gegen die Werbebanner-Überflutung. Wir können hochqualitativen und tiefgründigen Inhalt vermitteln, weil die Hörer eine ganz andere Aufmerksamkeit haben als bei anderen Medien.

Du hast den Podcast Club Switzerland mitgegründet. Was bezweckt dieser Club?

Als unabhängige Kreative und Produzenten haben wir uns manchmal etwas einsam und isoliert gefühlt, während wir an unseren Projekten arbeiteten. Der Podcast Club ist ein Versuch, Produzenten und Podcast-Macherinnen zusammenzubringen, ihre Erlebnisse zu teilen und einander zu helfen. Das Ziel: Wir wollen mehr Audio und mehr Podcasts aus der Schweiz ermöglichen. Momentan treffen wir uns einmal pro Monat persönlich, wir haben aber auch eine aktive Online-Community mit über 80 Mitgliedern. Weil es 2018 so gut lief, haben wir für nächstes Jahr bereits wieder zahlreiche Aktivitäten geplant! Alle Podcaster und auch jene, die sich einfach nur für Podcasts interessieren, dürfen gerne mitmachen!

Du produzierst deinen eigenen Podcast «My Survival Story». Was hat dich am meisten überrascht, als du ihn gestartet hast?

Meine grösste Überraschung war, wie wichtig Zusammenarbeit ist. Und damit meine ich nicht nur jemanden, der dein fertiges Produkt anhört, sondern ein zweites Paar Ohren, einen Story Editor in einer frühen Phase der Produktion. Es war für mich so hilfreich, eine andere Person zu haben, die genauso drin war in der Geschichte wie ich, die Geschichte aber gleichzeitig von einer frischen Perspektive aus betrachtete.

Welches ist dein Lieblings-Podcast, den du nicht selbst produziert hast?

Das ist «Meat» von Jonathan Zenti. Der italienische Podcaster erzählt in jeder Folge eine Geschichte ausgehend vom menschlichen Körper. Sehr faszinierend!

Nicolas Leuenberger